Kinderfreie, wo ist eigentlich euer Problem?

Diese Frage lesen wir immer wieder unter unseren Instagram-Posts. Und den Vergleich «Es braucht doch auch keinen Club für Menschen ohne Hund» habe ich tatsächlich kürzlich gehört. Ist da was dran?

Wir kinderfrei Lebenden haben kein Problem. So wenig wie Menschen ohne Hund eines haben. Ein Problem entsteht für uns erst dann, wenn unser Lebensmodell nicht gesehen wird. Wenn wir dafür ständig infrage gestellt, unter Druck gesetzt oder ausgeschlossen werden. Und genau das passiert kinderfrei lebenden Menschen 2026 noch immer. Auch in einer vermeintlich offenen und inklusiven Gesellschaft.

Nicht gesehen werden

In der Schweiz leben rund 3 von 10 Frauen und 4 von 10 Männern kinderfrei. So selten ist dieses Lebensmodell also gar nicht. Und trotzdem wird es öffentlich kaum thematisiert. Und wenn, dann oft negativ gefärbt. Etwa, wenn es mal wieder um die tiefe Geburtenrate geht oder Kinderfreie in den Medien zu Wort kommen und die Kommentarspalte mit Hate explodiert

Kinderfrei zu leben wird selten als gleichwertige Wahl zum Familienmodell erzählt. Viel häufiger gilt es als Mangel, als Übergang oder als etwas, das «anders» ist.

Mit Vorurteilen konfrontiert

Die Klischees von kinderfrei lebenden Menschen reichen von der «Crazy Cat Lady» über den egoistischen Karrieremann bis zu wahnsinnig einsamen Menschen im Alter.

Mehrere wissenschaftliche Studien zeigen, dass kinderfrei lebende Menschen oft mit negativen Eigenschaften assoziiert werden: egoistisch, selbstzentriert, materialistisch oder emotional weniger warm.

Dazu kommt ein weiterer, gut gemeinter, aber problematischer Gedanke: Ohne Kinder sei ja vieles einfacher. Das führt dazu, dass von uns kinderfrei lebenden Menschen oft selbstverständlich erwartet wird, dass wir flexibel sind, im Job häufiger einspringen und weniger Verständnis erfahren, wenn wir selbst Grenzen setzen oder an unsere eigenen Grenzen stossen.

Unter Druck gesetzt

Menschen ohne Hund werden kaum mehrmals pro Jahr gefragt, wann sie sich denn endlich einen Hund anschaffen. Oder daran erinnert, dass sie es später bestimmt bereuen werden. Oder gar davor gewarnt, im Alter allein zu sein. Kinderfrei lebende Menschen erleben genau das. Immer wieder.

Diese ständige Fragerei, das Infragestellen unseres bewussten Entscheids, die subtile Angstmacherei: All das setzt uns unter Druck.

Auch dann, wenn für uns der eigene Weg längst klar ist. Ein solches Verhalten unseres Umfelds sendet eine deutliche Botschaft: Kinder gehören dazu. Dir fehlt etwas.

Ausgeschlossen fühlen

Aus all dem kann bei kinderfrei Lebenden ein Gefühl von Isolation entstehen. Das Gefühl, nicht ganz dazuzugehören. Nicht zu genügen.

Spätestens, wenn im Freundeskreis plötzlich die meisten Kinder haben und sich alles um Playdates und Familienwochenenden dreht. Und wir kinderfreie Freund*innen dabei schlicht vergessen gehen. Weil wir vom Radar verschwinden und keine Kinder «beisteuern» können zur Bespassung.

Vergesst uns bitte nicht.

A Friendly Reminder: Viele kinderfrei lebende Menschen haben nichts gegen Kinder. Und einige dieser Aktivitäten machen uns auch ohne Kinder Spass. Auch das Bespassen können einige von uns problemlos übernehmen, ohne eigene Kinder zu haben.

Genau darum braucht es Orte wie diesen.

Nicht als Gegenbewegung. Nicht aus Trotz. Sondern als Raum für Sichtbarkeit, Austausch und Zugehörigkeit. Als Zeichen: Du bist nicht allein. Du bist genau richtig, so wie du bist.

Wenn wir dieses Gefühl auch nur einer einzigen Person geben können, dann hat diese Plattform ihren Zweck erfüllt.

 
Weiter
Weiter

Kein Anlass zur Romantisierung