Wir haben uns für uns entschieden
Die Geschichte von Alessandra
Ja, ich liebe Kinder. Überhaupt mag ich die Menschen. Wir sind wirklich sehr faszinierende Wesen. Also: Warum sollte ich keine Kinder wollen, wenn ich so ein Menschenfreund bin? Warum sollte ich auf diese wunderbare, tief bewegende und innige Erfahrung verzichten? Warum sollte ich nicht einen Menschen so hautnah begleiten wollen und miterleben, wie sich dieses Menschenkind entwickelt?
Ich bin bald 39 Jahre alt und seit mehr als zwei Jahren mit Kinder- und vor allem Sinnesfragen beschäftigt. Mein Mann und ich haben vor zwei Jahren geheiratet. Getragen von der Romantik.
Die Kinderfrage ploppte immer wieder mal auf und wir konnten beide sagen: «Ja, mit dir kann ich mir das vorstellen.» Darum JA zum Heiraten und Kinder kriegen.
Es kam nicht wie geplant
An unserem Hochzeitsfest wurden wir überschwemmt mit Babywünschen. Es wurde während der Hochzeit schon getuschelt, ob ich schon schwanger wäre (war gerade im Zyklustag 1). Nach der Hochzeit, ging es direkt in die Flitterwochen. Tatsächlich wurde ich gleich schwanger. Es war wie im Bilderbuch: Zusammenziehen, heiraten, Flitterwochen, schwanger. Perfekt. Wir freuten uns. Doch das Leben hat manchmal andere Pläne. Etwa in der 4. Woche entwickelte sich der Embryo nicht mehr weiter. Abtreibung, Ablenkung und viele gute Ratschläge folgten. Der Tipp der Frauenärztin: «Schauen Sie, dass Sie so schnell wie möglich wieder schwanger werden.»
Nach einigen Monaten Pause, folgte der nächste Versuch. Der Sex war geplant, die Ernährung umgestellt, die ersten medizinischen Abklärungen hinter uns. Kurz vor Weihnachten wurde ich nochmals schwanger und es kam zu einem weiteren Abgang. Es folgten wieder medizinische Abklärungen und schlussendlich eine Myom Operation. Ich war nur noch im Stress. In dieser Zeit tauchten auf einmal neue Fragen auf:
„Wollen wir das wirklich? Was ist für uns ein glückliches Leben? Was können wir abgesehen von Kindern, sonst noch in die Welt bringen?“
Die Romantisierung veränderte sich, ich bekam Abstand von einer gewissen Vorstellung und fing an, genauer zu beobachten und zu erforschen. Das Leben, die Kinder, die Eltern und die verschiedenen Dynamiken. Ich spürte die Überforderung, die Anspannung und erkannte dass viele Eltern, nur noch Schatten ihrer Kinder sind. Eine tiefe Müdigkeit und die Kommunikation gleicht oft einer wiederholender Platte. Die Kinder, neugierig, wollen alles wissen, wollen gesehen werden und brauchen die Energie um gross und stark zu werden. Neben dran, ein Mensch, der sein/ihr Best mögliches gibt.
Tag für Tag und es ist trotzdem selten genug.
Ich konnte auch Glücksmomente beobachten. Lacher die aus tiefstem Herzen kamen, Babyumarmungen, die süssesten Geräusche und die kreativsten Fragen. Da spürte ich eine tiefe Verbindung und Liebe. Diese Momente sind wohl für die Eltern die Kraftquellen um mit all dem anderen fertig zu werden und wow, sie haben das sowas von verdient.
Kinder sind erste Priorität
Die Natur hat alles so eingerichtet, dass das Kind die erste Priorität ist (normalerweise) und du bist bereit alles dafür zu geben. Ich konnte das bereits in der ersten Schwangerschaft spüren. Du bist bereit dein Leben hinzugeben. Da bleibt nicht mehr viel Raum um sich mit Sinnesfragen zu beschäftigen.
Mir wurde in dieser Zeit klar, dass ein Kind keine Erfüllung, sondern eine Aufgabe ist. Für diese Aufgabe muss Mann/Frau sich entscheiden. Auf unserem Planet hat es mittlerweile so viele Menschen. Warum will ich meine Kinder auf die Welt bringen? Was erhoffe ich mir dabei?
Mir ist es wichtig, diese Fragen, ehrlich und aufrecht beantworten zu können. Es gibt da eine feine, leise Stimme, die sagt: «Nein, ich möchte das nicht. Ich möchte bei mir sein»
Die Welt ist aus der Balance
Wir leben mittlerweile in einer sehr unruhigen und komplizierten Welt. Sehr vieles ist nicht mehr in Balance. Unsere Verbindung zur Natur, zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen. Die meisten Menschen drehen sich nur noch um sich selber und um ihrer Kinder. Alle wollen überleben und müssen deshalb funktionieren. Das Kleinfamiliensystem entspricht nicht unserer Natur. Das Sprichwort: „Um ein Kind grosszuziehen, braucht es ein ganzes Dorf” finde ich sehr passend.
Ich denke, es braucht das Bewusstsein für den aktuellen Puls des Lebens.
„Die Lösung ist nicht, dass keine Kinder mehr geboren werden, aber dass sic alle Menschen sich mit der Kinderfrage auseinandersetzen sollen und dürfen! “
Mein Mann und ich, haben uns, für uns entschieden. Wir wollen nicht mehr einfach funktionieren und möchten aus dem Überlebensmodus raus. Wir wollen in dieser Welt, in unserer Mitte ruhen- weil nur so, kann das Leben wirklich aufgenommen werden. Und was brauchen wir dafür? Ruhephasen, Rückzug, Freiheit und die Zeit unseren Lieblingsbeschäftigungen zu folgen.
Und was ist mit der Liebe?
Die ist hier. Die ist überall.
Herz öffnen - immer und immer wieder.
Danke hast du dir Zeit genommen, meine Erfahrungen und Gedanken zu lesen. ❤️
Danke DIR, dass du deine ergreifende Geschichte mit uns teilst!!
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Alessandra
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