Druck von Aussen
Die Geschichte von Anke
Wieso lebe ich kinderfrei?
Die Liste ist lang: Ich hatte nie einen Kinderwunsch. Ich bin selbstständig, bekomme also keinen Mutterschutz, das Geld würde nicht reichen, Elternzeit wäre unmöglich... Ich bin hochsensibel, brauche viel Schlaf, Ruhe, Pausen, bin schnell überreizt und gestresst.
Als Frau ist es noch eine ganz andere Herausforderung. Schwangerschaft, Geburt, Stillen, die Wochenbettzeit. Man gibt viel mehr auf als ein Mann.
Meine Beziehung und die Zeit mit meinem Mann ist mir wichtig.
Ich arbeite gerne und viel, habe viele Hobbys, zwei Ehrenämter. Ich möchte das nicht aufgeben...
Es gibt noch einige Gründe mehr :-)
Wachsender Druck von Aussen
Was ich besonders mag: Meine Freiheit und Selbstbestimmung
Meine Herausforderungen: Der krasse Druck von außen. Bis Mitte 30 war ich sehr fein mit meiner Entscheidung. Dann wurde der Druck immer größer. "Ich verpasse den Sinn den Lebens...". Nur mit Kind, ist man eine richtige Frau..." "Wann es denn endlich so weit wäre..."
Ich hatte mit Anfang 30 eine Abtreibung. Reaktion meiner Stief-Schwiegermutter: " Liebst du deinen Mann nicht? " Dabei haben wir das beide so entschieden.
Um mich rum wurden alle Eltern. Eine Freundin nach der anderen zog sich ins Familienleben zurück.
„Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, mitzuziehen. Nur um der Einsamkeit zu entgehen und wieder dazu zugehören. “
Mein Mann und ich haben eine Weile halbherzig versucht, schwanger zu werden. Es hat nie geklappt und wir waren jedes Mal froh. Dann haben wir angefangen es aufzuschieben. Nächstes Jahr...Ich wurde 40, dann 41...und war froh, dass die Biologie mir langsam aber sicher die Entscheidung abnimmt. Aber der Druck wurde nicht weniger. Ich könne ja noch fix...Was ist mit Adoption? Mit einem Pflegekind?
Der größte Loyalitätsverlust war der Moment, als mein bester Freund mit 48 noch Vater geworden ist. Die Wut und die Traurigkeit darüber, auch noch von dem letzten Menschen, der auf meiner Seite stand verlassen zu werden, hat mich umgehauen.
Kein Kinderwunsch und dennoch traurig
Ich habe meine Ambivalenzen nicht verstanden. Ich habe keinen Kinderwunsch aber es gibt einen kleinen Teil in mir, der traurig ist, nicht zu erleben, wie es ist, ein eigenes Kind zu haben.
Meine Freunde verschwinden in ihren Eltern-Kreisen und Kinder-Themen und ich fühle mich oft zurück gelassen. Ich lebe in einem anderen Universum ohne weitere kinderfreie Mitstreiter*innen.
Die letzten beiden Jahre waren daher sehr hart. Ich bin jetzt 45 und habe erst jetzt endgültig entschieden kinderfrei zu bleiben. Und das obwohl ich nie Kinder wollte. Es ist verrückt, wie krass mich Gesellschaft, Umfeld und auch die Politik mit ihren Erwartungen erdrückt haben, so dass ich gar nicht mehr wusste, was ich eigentlich will.
Inzwischen finde ich langsam den Weg zu mir zurück. Der Sohn meines besten Freundes ist mein Teilzeitkind geworden und ich habe ihn sehr ins Herz geschlossen.
„Ein kleines Bedauern kommt manchmal auf. Aber gut, welche Entscheidung passt schon immer zu 100%?“
Macht euch frei von Erwartungen
Mein Rat an andere: Macht euch frei von den Erwartungen anderer. Hört auf euch. Hört darauf was ihr möchtet. Und Ambivalenzen sind normal und ok. Man kann sich für ein kinderfreies Leben entscheiden, damit glücklich sein und trotzdem ab und zu um den Lebensentwurf trauern, den man abgewählt ab.
Danke für deine Geschichte!
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Anke
Ist 45 und ist endlich im Reinen mit sich und ihrem Nicht-Kinderwunsch.

